Chalet Descombes, Madeleine
Chalet Descombes
Val-d’Illiez VS
Bauherrschaft: Gemeinde Val-d’Illiez
Architektur: Madeleine, Vevey VD
Im Herzen des Dorfes Val-d'Illiez verwandelt sich ein von der Zeit gezeichnetes Chalet aus dem Jahr 1891 in ein neues Gemeindehaus. Das Gebäude ist verlassen und befindet sich in einem fortgeschrittenen Zustand des Verfalls. Nur die Fassaden und Elemente von kulturellem Interesse bleiben erhalten. Auf jeder Ebene wird das Gebäude erhöht, um die für seine neue Funktion erforderliche Raumhöhe zu erreichen. Diese „Erhöhung” durch Aufschichtung erfolgt mit einem ebenso erstaunlichen wie archaischen Verfahren: einem Mann und einem Wagenheber. Eine Meisterleistung, die daran erinnert, dass menschliches Handeln, so bescheiden es auch sein mag, manchmal Berge (oder ein Gebäude) versetzen kann.
Im Inneren entsteht ein neuer Körper, die Fussböden werden mit den neuen Holzrahmen verbunden und die bestehenden Decken durch ein Raster aus technischen Kassetten neu interpretiert. Ein zentraler erdbebensicherer Kern organisiert und verteilt die Räume und beherbergt gleichzeitig die Versorgungsleitungen.
Die Umgestaltung dieses historischen Chalets regt zum Naxchdenken über die Renovierung von Kulturgütern an. Anstatt die Geschichte durch die Restaurierung eines fertigen Gebäudes einzufrieren, schlägt das Projekt eine lebendige Umgestaltung vor, bei der jede Schicht des Gebäudes zur Geltung kommt und ihre eigene Geschichte erzählt. Das Spiel der Fassaden ist ein Dialog mit der Zeit: Die alten Öffnungen, auch diejenigen, die im Laufe der Zeit verändert wurden, bleiben erhalten und werden durch neue Durchbrüche bereichert. So wird die Geschichte des Ortes fortgeschrieben, die Bewohnbarkeit der Räume verbessert und das neue Gemeindehaus kann einziehen. (Fotos: Sven Högger)